Schwarze Schätze Zentralrusslands

21.06.09 Aktuelles, Belgorod

Die Oblast Belgorod liegt rund 500 Kilometer südwestlich von Moskau und ist flächenmäßig so groß wie Nordrhein-Westfalen. Gemessen am Bruttoregionalprodukt liegt das Gebiet unter den zentralrussischen Regionen auf Platz drei, und damit noch vor den von Investoren so geschätzten Gebieten Tula und Kaluga. Die benachbarte Oblast Kursk hat eine ähnliche Größe, und genau hier befindet sich das größte Erzbecken weltweit, das die kuriose Magnet-Anomalie bewirkt: Geschätzte 200 Milliarden Tonnen unterirdischen Eisenerzes lenken die Magnetnadeln der Kompasse von ihrer sonst üblichen Nordrichtung ab.

Die beiden zentralrussischen Regionen fördern rund 40 Prozent des russischen Eisen-Vorkommens, erwartungsgemäß sind die größten Unternehmen der Region im Bereich Bergbau und Metallurgie tätig. Es sind große und mittlere Unternehmen, die über die entsprechenden Mittel verfügen, um ihre bestehenden Anlagen zu erneuern. Die Metallurgie prägt die ganze Region, dementsprechend ist die Modernisierung der Anlagen auch besonderes Anliegen der regionalen Regierung. Nach Angaben der Administration gehört die Einführung neuer Technologien zu den Prioritäten der kommenden Jahre. Als eines der ersten Anbaugebiete der Welt verwendet Belgorod bereits eine hydrotechnische Fördermethode, die als besonders umweltschonend gilt.

Zweitwichtigster Industriezweig

Zweitwichtigster Industriezweig ist die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie: Die Region ist bekannt für ihre fruchtbare Schwarzerde und die Landwirtschaft damit traditionell stark. Zudem ist das der Sektor, der in den vergangenen Jahren die höchsten Zuwachsraten aufweisen konnte. Produziert werden Milch und Fleisch, aber auch Gemüse. Mit dem Milchverarbeitungsunternehmen Onken ist bereits seit 2003 ein deutscher Hersteller in der Region vertreten. Seit einigen Jahren fördert die regionale Regierung vor allem die Ausweitung der Vieh- und Geflügelzucht. Die bis 2010 angelegte Entwicklungsstrategie soll die einheimischen Produkte konkurrenzfähig machen.

Der Belgoroder Gouverneur, Jewgeni Sawtschenko, hat im März angekündigt, im laufenden Jahr abermals rund 700 Millionen Euro in den Agrarsektor zu investieren. Erfolgreiche Beispiele beweisen, dass die Regionen bei ihrer Standortentwicklung gern auf deutsche Anlagen zurückgreifen. Big Dutchman, einer der Weltmarktführer in Stall- und Fütterungsanlagen, hat erst vor zwei Monaten ein neues Büro in Belgorod eröffnet und bereits zahlreiche Hühnerfarmen der Gegend mit seinen Käfigen ausgestattet. Einer der größten Schlachtbetriebe Deutschlands, das Tönnies Fleischwerk, baut derzeit in der Oblast Belgorod zusammen mit einem russischen Partner einen neuen Schlacht- und Zerlegebetrieb. Insgesamt plant der Fleischfabrikant Investitionen von 500 Millionen Euro, die ersten beiden Ställe für die Schweinezucht stehen schon. Wann das Projekt abgeschlossen sein wird, steht noch nicht fest, aber: „Wir bauen den Schlachthof auf jeden Fall“, so Mark Zwingmann, Assistent der Geschäftsführung von Tönnies. Die Fleischwerke aus Rheda-Wiedenbrück sind vom Marktpotenzial der Region überzeugt.

 Gute Rahmenbedingungen

Angezogen wurde Tönnies auch von den positiven Investitionsbedingungen in der Region. „Der Gouverneur hat uns unterstützt, wo er nur konnte“, so Zwingmann. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Anschluss der neuen Ställe an das Gas-, Strom- und Verkehrsnetz problemlos und ausgesprochen schnell geklappt hat. Von Vorteil sei, dass die Region im Bereich Landwirtschaft viel Erfahrung habe und wirtschaftlich sehr aufgeschlossen sei: „Wir wurden von Anfang an als Partner aufgenommen.“ utz

Aus Russland Aktuell 25/2009