Gebiet Nowosibirsk

Wirtschaftsdaten

Indikator

Wert

   Stand    

Bruttoregionalprodukt (BRP):

19.400 Mio. Euro

    

2013

Bruttoanlageinvestitionen:

4.124 Mio. Euro

2013

Ausländische Direktinvestitionen (FDI):

859,5 Mio. USD

2013

Index der Industrieproduktion (im Vergleich zum Vorjahr):   

-1,18 %

2014

Index der Agrarproduktion (im Vergleich zum Vorjahr):

- 12,99 %

2014

Arbeitslosigkeit (Jahresdurchschnitt):

5,1 %

2014

Arbeitslosenzahl (Jahresdurchschnitt): 

73,6 Tsd.

2014

Quelle: Rosstat

Die Länge der befestigten Straßen beträgt 12.591 Kilometer, die Länge der Eisenbahnlinien 1.530 Kilometer. Die wichtigsten Strecken sind die Transsibirische Magistrale sowie die Strecken Nowosibirsk-Kusbass, Nowosibirsk-Barnaul, Tatarsk-Karasuk-Kulonda, Karasuk-Kamin-Na-Obi. Es gibt fünf Flughäfen - zwei davon besitzen föderalen Status (Flughafen Nowosibirsk und Flughafen Tolmatschewo).

In der Stadt Nowosibirsk wurde 1985 die erste Metro in Sibirien mit einer Gesamtlänge von 13 Kilometern eröffnet. Die wichtigste Wasserstraße ist der Fluss Obi. Über das Territorium verlaufen 900 Kilometer Erdöl- und 1.160 Kilometer Erdgaspipelines

Im Nordwesten Nowosibirsks befinden sich größere Erdöl- und Erdgasfelder. Außerdem wird vor allem Steinkohle gefördert. Es gibt zudem Vorkommen verschiedener NE-Metalle, wie Titandioxid oder Zirkoniumdioxid, Gold, Torf und Mamor.

Struktur der Industrieproduktion:

rund 23 % Nahrungsmittelindustrie

22 % Maschinenbau und Metallverarbeitung

17 % Energiewirtschaft

10 % Buntmetallurgie

7 % Baustoffindustrie

Nahrungsmittelindustrie:

Die Branche ist auf die Herstellung von Graupen und Nudeln, Fleisch-, Milch- und Gemüseprodukten, Spirituosen und nichtalkoholischen Getränken spezialisiert. Die größten Unternehmen sind OAO Sibirskoje Moloko, OAO Karasukskoje Moloko und OAO Karasukskij Mjasokombinat.

Maschinenbau:

Die bedeutendsten Unternehmen sind GUP Nowosibirskij Elektrowosoremontnyj Sawod und OAO Elsib.

Buntmetallurgie:

Die größten Vertreter der Branche sind OAO Nowosibirskij Elektrodnyj Sawod und OAO Nowosibirskij Olowjannyj Kombinat.

Anbau von Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Leinsaat, Fleisch- und Milchviehzucht, Geflügelzucht, Bienenzucht 

Wichtigste Exportgüter:

Maschinen (Wärmeaggregate, Elektromagnete, Ausrüstungen für Eisen- und Straßenbahnen, elektrische Maschinen und Motoren, Flugapparate), chemische Erzeugnisse, Metalle und Metallerzeugnisse, Holz 

Wichtigste Exportländer:

Bulgarien, Ukraine, USA, Schweiz, Deutschland, Italien, Kasachstan, Republik Korea, Frankreich, Österreich, Belgien, Großbritannien 

Wichtigste Importgüter:

chemische Erzeugnisse, Maschinen 

Allgemeines

Hauptstadt:

Nowosibirsk 

Fläche:

177.800 Quadratkilometer (Platz 19 der größten Regionen Russlands) 

Bevölkerung:

2,74 Millionen Einwohner 

Stadtbevölkerung: 78,4 Prozent

Landbevölkerung: 21,6 Prozent 

Größte Städte:

Nowosibirsk (1.396.800 Einwohner) Berdsk (86.300)

Iskitim (68.100)

Kujbyschew (51.100)

Barabinsk (36.200)

Karasuk (30.800) 

Städtepartnerschaft:

Landkreis Landshut (Bayern) - Rajon Nowosibirsk seit 1991 

Zeitzone:

Moskauer Zeit + 3 Stunden (UTC+6)

Klima:

Gemäßigte Klimazone, Kontinentalklima

Durchschnittstemperatur:

im Januar: -24 °C, im Juli: +22 °C 

Gouverneur: Herr Wladimir Gorodezki

 

Administration des Gebietes Nowosibirsk

630011 Nowosibirsk, Krasnyj pr. 18
Tel.:  +7 (3832) 23 69 72
Fax: +7 (3832) 23 29 95
Internet: www.nso.ru
E-Mail: pochta(at)nso.ru

Vertretung des Gebietes Nowosibirsk in Moskau

121069 Moskau, Skatertniy pereulok 25
Tel.:  +7 (495) 609 93 01
Fax: +7 (495) 609 93 04
E-Mail: predm@nso.ru

Informations- und Wirtschaftszentrum Novosibirsk in Deutschland

Frau Karina Moskalenko
Bockenheimer Landstrasse 106
D-60322 Frankfurt am Main
Tel.:  069 – 74 22 08 82
Fax: 069 - 74 22 08 82
E-Mail: karina.mos@mail.ru, novosibregion(at)aol.com



 

Daten zum Gebiet Nowosibirsk auf dem ASI Investitionsportal

www.investinregions.ru/de/regions/novosibirsk/

Investitionsportal des Gebietes Nowosibirsk

Tel.:  +7 (383) 289 27 2
Internet: www.invest.nso.ru
E-Mail:info@air-nso.ru

 

 

Handels- und Industriekammer Gebiet Nowosibirsk
630064 Nowosibirsk, prospekt K. Marxa 1
Telefon/ Fax: (+7 383) 346 41 50, 46 41 50
nsk(at)ntpp.ru
www.ntpp.ru

Präsident: Herr Wjatscheslaw Anatolewitsch Markelow

 

Handels- und Industriekammer Nowosibirsk (Stadt) Gebiet Nowosibirsk
630099 Nowosibirsk, ul. M. Gorkowo 79
Telefon: (+7 383) 223 80 20, 363 22 20
Fax: (+7 3832) 223 80 20
info(at)ngtpp.ru
www.ngtpp.ru

Präsident: Herr Jurij Iwanowitsch Bernadskij

 

 

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer Außenstelle Novosibirsk
630099 Novosibirsk, Krasnyj prospekt 28, 3. Etage
Telefon / Fax: (+7 383) 217 79 39
ahk-nowosibirsk(at)sib.ru
www.russland.ahk.de

Repräsentant: Herr Juri Sorokin

 

GIZ Entwicklungsgesellschaft mbH
644099 Nowosibirsk, ul. Tarskaja 14
Telefon: (+7 3812) 24 98 35
Fax: (+7 3812) 24 98 41

Herr Gerd Kutschke

 

Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland
630099 Nowosibirsk, Krasnij Prospekt 28
Telefon: (+7 383) 231 00 20
Fax: (+7 383) 231 00 56
info(at)nowosibirsk.diplo.de
www.nowosibirsk.diplo.de

Generalkonsul: Herr Neithart Höfer-Wissing

 

Informations- und Wirtschaftszentrum Novosibirsk
Bockenheimer Landstrasse 106
D-60322 Frankfurt am Main
Telefon: 069 – 74 22 08 82
Fax: 069 - 74 22 08 82
aneverov(at)aol.com, novosibregion(at)aol.com

Herr Anatolij Neverov

• Novosibirsk State Technical University

www.nstu.ru

• Siberian State University of Transport

www.stu.ru

• Novosibirsk State University

www.nsu.ru

• Siberian State University of Telecommunications and Informatics 

www.neic.nsk.su

• Goethe-Institut Nowosibirsk

www.goethe.de/nowosibirsk

Nowosibirsk – Europäisch bis Tschukotka

In Nowosibirsk ist ein neues Zeitalter angebrochen. Dies meint zumindest der Gouverneur des Gebietes anlässlich der Eröffnung des neuen Messezentrums in der drittgrößten Stadt Russlands. In der Tat häufen sich die Aufbruchszeichen: Elektrobusse fahren im öffentlichen Nahverkehr, das Industriegebiet ist nach 20 Jahren Planung endlich bezugsfertig, ein Nanotechnologieunternehmen hat sich angesiedelt und auch der Braindrain im Wissenschaftsvorort Akademgorodok scheint gestoppt. Noch gibt es wenig ausländisches Engagement in Nowosibirsk. 3.400 Kilometer östlich von Moskau werden die Weichen für die Zukunft gestellt.

 

Der neue Elektrobus verbindet den Flughafen mit der Innenstadt © Airport TolmatschowoEs ist eisig kalt in Nowosibirsk am 31. Januar 2012. Normalerweise sollte man meinen, Sibirjaken seien Kälte gewohnt. Aber mitnichten. Seit vielen Jahren ist das Thermometer nicht mehr unter die 20 Grad gefallen. Moros – der Frost – ist an diesem Tag das Gesprächsthema in der Stadt. Auch an der Bushaltestelle am Flughafen Tolmatschowo spricht man über den Frost. Der Bus kommt, die Wartenden steigen ein. Niemand bemerkt, dass der Bus auf dem Weg in die Stadt heute surrt und nicht tuckert. Als er am Messegelände vorbeifährt, wird gerade das neue Messezentrum eröffnet. Der Gouverneur drinnen schwärmt davon, dass im Gebiet Nowosibirsk jetzt ein neues Zeitalter angebrochen ist. Am Abend, beim Empfang, gibt es viele Trinksprüche – alle auf das Messegelände, niemand spricht vom Bus.

Ein Bus für eine neue Epoche
Mit der Busfahrt am 31. Januar startete Liotech, ein Joint Venture des chinesischen Batterieherstellers Thunder Sky und des russischen Staatsunternehmens Rusnano, den Probebetrieb seiner Akkumulatoren. Erstmals fuhr auf der Strecke von 40 Kilometern zwischen dem Stadtzentrum von Nowosibirsk und dem Flughafen ein Bus mit einem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku. Bis 2015 sollen ausschließlich Elektrobusse den Transfer der Passagiere übernehmen.
Das Werk in Nowosibirsk wurde im vergangenen Jahr eröffnet und ist der einzige Hersteller von Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus in Russland. Jährlich sollen eine Million Akkus hergestellt werden. Abnehmer werden vor allem die Chinesen sein, aber auch den Weltmarkt will Liotech beliefern.
Der Produktionskomplex – eine Investition von etwa 230 Millionen Euro – wurde auf der grünen Wiese gebaut. Es ist eines der drei Werke, die im neuen PLP Logistikpark Nowosibirsk zwischen Zentrum und Flughafen arbeiten: Der amerikanische Nahrungsmittelkonzern Mars Inc. produziert Katzenfutter, das russische Chlodo-Kombinat Sapadnyj stellt Wasserspender für Büros her und eine Konditorei bäckt Kuchen und Brot. Zehn Unternehmen werden sich in diesem Jahr noch ansiedeln, erklärt Viktor Balala, stellvertretender Generaldirektor der Ansiedlungsagentur Invest Development Agency, unter anderem die russische Post.

Industriegebiet in den Startlöchern

Auf dem Gelände von 2.000 Hektar soll in einigen Jahren das industrielle Herz der Region schlagen. „Hier können sich die Firmen leicht entwickeln“, so Balala. „Bahnanschluss ist vorhanden, der Flughafen liegt vor der Tür, Energie- und Wasserleitungen sind gelegt.“
Immerhin 20 Jahre hat es gedauert, bis die Region Nowosibirsk den Unternehmen einen solchen modernen Logistikpark bieten konnte. Indes: Es fehlte auch an Interessenten. Ausländische Unternehmen bauen ihre Produktion vorrangig im europäischen Teil Russlands auf – in Sibirien richten sie Vertriebsbüros ein.
„Etwa 200 deutsche Büros arbeiten heute im sibirischen Teil des Landes, davon sind 98 Prozent Handelsfirmen“, sagt Jurij Sorokin, Leiter der Außenstelle der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in Nowosibirsk. „Ware wird hier nur produziert, wenn sie auch hier verkauft wird.“
In der jüngsten Regional-Umfrage sehen die Mitglieder der Deutsch-Russischen AHK das Gebiet Nowosibirsk auf Platz 14 hinsichtlich der Attraktivität der Regionen als Investitionsstandort. Die Regionen um Moskau haben hier eindeutig die Nase vorn.
Im Medizinbereich wären Investitionen sicher sinnvoll, so Sorokin. „Nowosibirsk eignet sich für Produkte, die keine großen Transportkosten verursachen, aber einen hohen Wert haben.“

Der deutsche Fensterbauer VEKA ist eines der wenigen ausländischen Unternehmen © OWCDas deutsche Aushängeschild
Aber ein deutsches Pharmaunternehmen hat noch kein Interesse gezeigt, die Region ist dünn mit deutschen Produktionsunternehmen besiedelt: 2006 startete Ekoniva, die russische Tochter der deutschen Agrarholding Ekosem-Agrar, im Bezirk Masljanino die Getreideproduktion und Viehzucht. 2007 eröffnete Metro Cash & Carry einen Markt in Nowosibirsk – nachdem 36 Märkte zuvor im europäischen Teil eröffnet wurden. Die Neco Farm Agriculture GmbH aus Kiel baut gegenwärtig einen Milchverarbeitungsbetrieb in der Region auf.
Einziger produzierender Industriebetrieb ist die VEKA AG, ein weltweit agierendes Familienunternehmen aus Sendenhorst. Es eröffnete 1999 ein Werk in Moskau, bereits im Oktober 2004 folgte ein Werk zur Herstellung von Fensterprofilen 15 Kilometer vor den Toren von Nowosibirsk. Einen Logistikpark, in dem VEKA all die nötige Infrastruktur vorgefunden hätte, gab es damals noch nicht. IC & M, das größte Bau- und Entwicklungsbüro der Region, half bei der Grundstücksuche und allen Dingen, die ein ausländischer Investor zu erledigen hat. Der Bau sei ohne Probleme gelaufen, „nichts Besonderes, eine ganz normale Sache“, erinnert sich Marketing-Chef Jewgenij Elnikow. Das sibirische Werk mit etwa 200 Mitarbeitern ist heute das modernste Werk der VEKA in Europa.

Wohnungsbau zieht Fensterhersteller
VEKA beliefert von Nowosibirsk aus den sibirischen Markt sowie Kasachstan. Einer der größten Fensterbauer Russlands, BFK, produziert in Nowosibirsk. Neben der günstigen geografischen Lage, der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt und den beeindruckenden Wachstumszahlen im Wohnungsbau gab vor allem die überdurchschnittliche Nachfrage nach Technologie und Effizienz den Ausschlag für den Standort. Außerdem: „In Moskau sind wir ein Unternehmen unter vielen“, so Elnikow. „In Nowosibirsk sind wir das deutsche Aushängeschild.“
Und deutsche Qualität zählt in Sibirien. Gehört Deutschland auch nicht zu den wichtigsten Investoren – beim Einkauf liegt Deutschland hinter China auf Platz zwei.
Die Zahlen sind nicht berauschend. Im vergangenen Jahr kauften Unternehmen aus dem Föderalen Verwaltungsbezirk Sibirien Waren im Wert von 633,7 Millionen US-Dollar aus Deutschland. Das sind zwar fast zehn Prozent der Gesamtimporte des Verwaltungsbezirkes, aber weniger als 20 Prozent der deutschen Lieferungen nach Russland insgesamt. Aber in Sibirien leben auch nur knapp 15 Prozent der Einwohner Russlands, in der Region Nowosibirsk gerade 1,8 Prozent.

Außenhandelsstatistik des Sibirischen Föderalen Verwaltungsbezirkes © OWCIn Deutschland kaufen, was Nowosibirsk braucht
Natürlich wünschen sich die Sibirjaken mehr deutsche Investoren. Aber sie sind auch Realisten „Ein Volkswagenwerk in Nowosibirsk – davon träumen wir nur“, sagt Anatolij Newerow, Vertreter der Region Nowosibirsk in Frankfurt am Main.
Newerow arbeitet seit 15 Jahren für die Administration von Nowosibirsk in Deutschland. Seinen Auftrag beschreibt er so: „Ich suche in Deutschland, was Nowosibirsk braucht.“ Schon immer waren das Maschinen und Anlagen für Unternehmen der Region, momentan schaut Newerow vor allem nach Investitionsgütern made in Germany, die seine russischen Partner an die Spitze des russischen und des internationalen Marktes bringen sollen. Möglichst sollen deutsche Spezialisten zur Beratung beim Aufbau der Produktion gleich mitgeliefert werden.
Rusnano — Russlands staatlicher Technologiekonzern — unterstützt Betriebe, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, technologisch anspruchsvolle Produkte herzustellen. 60 Millionen Euro investiert das Unternehmen gegenwärtig in das Gemeinschaftsunternehmen News-Sojus in Nowosibirsk, um ab 2013 jährlich 15.000 spezielle nanobeschichtete Implantate für Orthopädie und Traumatologie herzustellen. Für das Projekt holte Newerow das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologie und Systeme IKTS, Dresden, mit ins Boot. Außerdem sollen im Werk Isolationen für Elektroanlagen entstehen.

Sibirischer Ton und deutsche Maschinen
Oleg Medwedko, Geschäftsführer des Joint Ventures zwischen News-Sojus und Rusnano, führt stolz durch das neue Werk, das auf dem Gelände der Mutterfirma untergebracht ist. Es ist ausgerüstet mit der modernsten Technik. Pressen von der Firma Dorst aus Bayern, Industrieöfen der Wistra GmbH aus Nordrhein-Westfalen und Glasur-Anlagen von Klausberger stehen in dem alten Fabrikgebäude, neue Spritzgießmaschinen zur Kunststoffverarbeitung sollen jetzt von DEMAG und anderen Herstellern über die deutsche Handelsfirma Otto Wolff eingekauft werden. 40 Millionen Euro will Medwedko in den nächsten Jahren zur Erweiterung der Produktion investieren, um nicht nur den russischen Markt zu beliefern, sondern auch international zur Spitze vorzudringen.
Europa sei ein großes Vorbild für die Menschen in Sibirien, bringt es der deutsche Generalkonsul in Nowosibirsk, Neithart Höfer-Wissing, auf den Punkt. „Sie fühlen sich europäisch bis Tschukotka.“

Neuer Kurs: Wissenschaft für das Leben
Im 20 Kilometer entfernten Akademgorodok befinden sich die klugen Köpfe. 1957 wurde hier inmitten von Birken- und Pinienwäldern am Ufer des Ob-Stausees der Grundstein für eine Wissenschaftlerstadt gelegt. Zu den besten Zeiten arbeiteten hier 65.000 Wissenschaftler, nach dem Ende der Sowjetunion verließen viele, vor allem junge Wissenschaftler die Stadt. Heute arbeiten an den 35 Forschungseinrichtungen etwa 45.000 Mitarbeiter. „Wir haben den Braindrain gestoppt“, sagt Sergeij Zakowsjaschin, Leiter der Internationalen Abteilung. Die Löhne wurden aufgestockt, heute erhält ein Wissenschaftler in Akademgorodok durchschnittlich eintausend Euro im Monat.
Das Prestige der Wissenschaft muss weiter wachsen, so Zakowsjaschin. „Die ganze Welt hat den Kurs geändert, hin zur Wissenschaft für das Leben. Der Prozess ist jetzt auch hier angekommen. Wir konzentrieren uns heute stark auf Materialkunde und den Maschinenbau.“
30 bis 40 Prozent der Mittel erwirtschaften die Wissenschaftler inzwischen selbst – meist aus Projekten mit ausländischen Unternehmen. Kooperationsprojekte mit Deutschland, so beispielsweise mit dem Jülicher Institut für Kernphysik oder dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, haben Priorität.

Bürogebäude und Hotel im Technopark Akademgorodok © OWCKnow-how für Deutschland
Das Forschungsinstitut Jülich arbeitet eng mit dem Budker Institut zusammen. „Die russischen Kollegen helfen dabei, unser deutsches FAIR-Projekt zum Erfolg zu führen“, erklärt der stellvertretende Leiter, Prof. Dr. Siegfried S. Krewald. Über das FAIR-Projekt (Facility for Antiproton and Ion Research) bauen die Jülicher Wissenschaftler in Darmstadt den Hochenergie-Speicherring HESR (High Energy Antiproton Storage RING), ein Bestandteil eines großen europäischen Forschungsprojektes zu Antiprotonen.
Zur Zeit wird gemeinsam mit dem Budker Institut ein Elektronenkühler entwickelt, der für die Bereitstellung eines hochpräzisen Strahls von entscheidender Bedeutung ist. Außerdem arbeiten die russischen Kollegen den Jülicher Forschern im Bereich Spindynamik zu.
Generalkonsul Neithart Höfer-Wissing bescheinigt den Wissenschaftlern in Akademgorodok Weltniveau. „Die Materialwissenschaft ist richtig gut. Unsere Wissenschaftler arbeiten auch intensiv mit den hiesigen Forschern zusammen – aber die europäische Industrie kennt das Potenzial nicht.“ Scheinbar nicht einmal die Industrie im nahen Nowosibirsk.

Einer von zwölf Technoparks
Äußerlich hat sich im Akademiestädtchen in den vergangenen Jahren nicht viel geändert, einige Büro- und Wohnhäuser wurden in den vergangenen Jahren gebaut – ein Hochhaus als Blickfang der ganzen Anlage verleiht dem Gelände einen Hauch von Modernität. In die neuen Gebäude zogen in den vergangenen Jahren die Jungen ein, die im 2006 gegründeten Technopark Nowosibirsk beschäftigt sind.
Der Technopark ist einer von zwölf Parks dieser Art in Russland, in denen Moskau Hightech-Unternehmen unterstützt. Etwa einhundert Start-ups und 30 große Technologieunternehmen haben sich inzwischen in Nowosibirsk angesiedelt.
Es gibt im Technopark in Akademgorodok Cluster zu den Bereichen Informations- und Biotechnologie, Instrumentenentwicklung, Nano- und Materialtechnologie sowie ein Zentrum zur Entwicklung von Prototypen. 66 Millionen US-Dollar wurden von 2006 bis 2010 investiert, davon 30 Millionen von privaten Unternehmen. Insgesamt arbeiten 4.800 Mitarbeiter im Technopark, allen voran Softwarespezialisten. Unter anderem ist hier der Spieleentwickler ALAWAR zu Hause.
Während für den Innovationspark Skolkowo nahe Moskau, das liebste Modernisierungsprojekt des russischen Ex-Präsidenten Medwedjew, gerade die Grundsteine gelegt sind, herrscht in der Wissenschaftsstadt tief in Sibirien heute reges Treiben. Akademgorodok kann sich wie die ganze Region Nowosibirsk nicht mit den großen Namen schmücken, die sich in der Skolkowo-Stiftung versammeln: Nokia, IBM, Microsoft, Intel, Boeing oder Google. Aber in Nowosibirsk fährt der erste Bus Russlands mit einem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku.

Von Jutta Falkner

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West Contact 03/2012.

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