Sankt Petersburg (Stadt)

Allgemeines

Indikator

Wert

   Stand    

Bruttoregionalprodukt (BRP):

58.964 Mio. Euro

    

2013

Bruttoanlageinvestitionen:

8.665 Mio. Euro

2013

Ausländische Direktinvestitionen (FDI):

13.431 Mio. USD

2013

Index der Industrieproduktion (im Vergleich zum Vorjahr):   

- 7,83 %

2014

Arbeitslosigkeit (Jahresdurchschnitt):

1,4 %

2014

Arbeitslosenzahl (Jahresdurchschnitt): 

39,0 Tsd.

2014

Quelle: Rosstat

Befestigte Straßen: Sankt Petersburg ist durch zwölf Fernstraßen erschlossen. Am 7. September 2006 wurde der erste Bauabschnitt der neu gebauten Ringautobahn „KAD“ um Sankt Petersburg für den Verkehr freigegeben. Die 66 Kilometer lange Route umgeht die Hafenstadt im Osten.

Eisenbahn: Es bestehen direkte Eisenbahnverbindungen nach Murmansk, Helsinki, Kirow, Moskau, Kaliningrad, Minsk und Berlin. Auch Bukarest, Budapest, Chisinau, Kiew, Sotschi, Rostow am Don, Wolgograd und Irkutsk sind umsteigefrei zu erreichen.

Flughafen: Etwa zwölf Kilometer südlich der Innenstadt liegt der Flughafen Pulkowo mit den Terminals Pulkowo I (Inlandsflüge) und Pulkowo II (Auslandsflüge). Zahlreiche ausländische Airlines bedienen den Flughafen, darunter die deutschen Fluggesellschaften Air Berlin, Germanwings und Lufthansa. Sie bieten Direktflüge zwischen Petersburg und Berlin, Frankfurt am Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Münster und Wien an.

Seehäfen: Der Hafen St. Petersburgs ist der bedeutendste Hafen und wichtig für den ganzen osteuropäischen und nordasiatischen Raum. Linienverbindungen bestehen unter anderem nach Stockholm, Helsinki, Kiel, Lübeck und anderen Hafenstädten an der Ostsee sowie zu allen wichtigen Containerhäfen in der Nordsee. Nachbarhäfen von Sankt Petersburg befinden sich an der Ostsee in Ust-Luga, Primorsk (Öl) und in Wyssozk.

Binnenschifffahrt: Über die Newa und verschiedene Kanäle bestehen schiffbare Verbindungen zum Ladogasee, zur Wolga und zum Weißen Meer.

Es gibt Kies, Sandstein sowie Ton- und Torf-Vorkommen.

Struktur der Industrieproduktion:

rund 35 % Nahrungsmittelindustrie

34 % Maschinenbau und

Metallverarbeitung

11 % Energiewirtschaft.

Außerdem: Elektrotechnik, Schiffbau, Holzbearbeitung

Nahrungsmittelindustrie:

War über Jahre hinweg der Maschinenbau der wichtigste Industriezweig der Stadt, so hat sich die Nahrungsmittelindustrie in den vergangenen Jahren auf Platz eins geschoben und hat heute einen Anteil von 35 Prozent an der Industrieproduktion der Stadt. Die größten Unternehmen der Branche sind vor allem Brauereien wie OAO Piwowarennaja Kompanija Baltika,OAO Kombinat imeni Stepana Rasina und OAO Wena.

Maschinenbau und Metallverarbeitung:

Dynamisch entwickelt hat sich vor allem die Produktion von Maschinen für die Nahrungsmittelverarbeitung und Maschinen für die Leichtindustrie sowie die Motorenproduktion. Die größten Unternehmen sind OAO Ischorskie Sawody, OAO Leningradskij Metallitscheskij Sawod und OAO Kirowskij Sawod.

Schiffbau:

Eine große Tradition und Bedeutung hat der Schiffbau. Bei den Unternehmen OAO Baltijskij Sawod und FGUP Admiraltejskije Werfi werden verschiedene Schiffstypen gebaut, u.a. atomgetriebene Eisbrecher, Tanker, Luftkissen-Schiffe und Jachten.

Energiewirtschaft:

Das führende Energieunternehmen ist OAO Lenenergo.

Metallurgie:

Diese Branche hat mit nur ca. Prozent einen geringen Anteil an der Industrieproduktion.

Wichtigste Exportgüter:
Maschinenbauerzeugnisse, Schwarz- und Buntmetalle, Holz- und Holzprodukte sowie Chemieerzeugnisse.

Wichtigste Exportländer:
Koreanische Demokratische Volksrepublik, Deutschland, Finnland, USA, Ukraine und Kasachstan.

Wichtigste Importgüter:
Nahrungsmittel und Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie, Maschinen und Anlagen sowie Chemieerzeugnisse

Wichtigste Importländer:

Deutschland, Finnland, USA, Brasilien, Italien und Ukraine

Wirtschaftsdaten

Fläche:
1.439 Quadratkilometer
(Platz 82 der größten Regionen Russlands)

Bevölkerung:
5,19 Millionen Einwohner

Größte Städte:
St. Petersburg (5,19 Millionen Einwohner)
Kolpino (144.801)
Puschkin (101.101)
Peterhof (76.827)
Kronstadt (44.074)
Lomonosow (43.209)

Städtepartnerschaft:
Berlin, Dresden, Hamburg, Lübeck mit St. Petersburg, Bad Homburg v.d. Höhe (Hessen) mit Peterhof, Berlin und Frankenthal (Pfalz) mit Puschkin, Mühlhausen (Thüringen) mit Kronstadt, Neunkirchen (Saarland) mit dem Stadtteil Frunsenski

Zeitzone:
Moskauer Zeit (UTC+3)

Klima:
Gemäßigte Klimazone, Seeklima,
Durchschnittstemperatur:
im Januar: -2,8 °C, im Juli: +17,2 °C

Gouverneur: Herr Georgij Poltawtschenko

 

Administration der Stadt Sankt Petersburg

191060 Sankt Petersburg, Smolnyj
Tel.:  +7 (812) 567 45 01
Fax: +7 (812) 567 78 27
Internet: www.gov.spb.ru
E-Mail: gubernator(at)gov.spb.ru

Vertretung der Stadt Sankt Petersburg in Moskau

123001 Moskau, ul. Spiridonowka 20
Tel.:  +7 (495) 290 43 64
Fax: +7 (495) 290 61 64


Investitionsportal der Stadt Sankt Petersburg

www.spbinvestment.ru

Handels- und Industriekammer St. Petersburg
191123 St. Petersburg, ul. Tschaikowskogo 46-48
Telefon: (+7 812) 273 48 96, 579 28 33, 119 66 44, 272 11 48
Fax: (+7 812) 272 86 12, 272 64 06, 272 97 13
spbcci(at)spbcci.ru
www.spbtpp.ru

Präsident: Herr Vladimir I. Katenev


Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland
191123 St. Petersburg, ul. Furschtatskaja 39
Telefon: (+7 812) 320 24 - 00
Fax: (+7 812) 327 31 17
info(at)sankt-petersburg.diplo.de
www.sankt-petersburg.diplo.de

Generalkonsul: Herr Dr. Ferdinand von Weyhe



Deutsch-Russische Auslandshandelskammer Außenstelle St. Petersburg / Filiale Nordwest
199004 St. Petersburg, Finlyandskiy Pr. 4a
Telefon: (+7 812) 332 14 15
Fax: (+7 812) 332 14 16
info(at)petersburg-ahk.ru
www.petersburg.russland.ahk.de

Herr René Harun



Informationszentrum der Deutschen Wirtschaft, St. Petersburg
199044 St. Petersburg, Finlandskij Pr., 4 A
Telefon: (+7 812) 332 14 15
Fax: (+7 812) 332 14 16
www.petersburg.russland.ahk.de/

Frau Olga Parshina



Dresdner Büro der sächsischen Wirtschaft Haus der Deutschen Wirtschaft
199034 St. Petersburg, W.O. Bolschoj prospekt 10
Telefon: (+7 812) 327 19 74
Fax: (+7 812) 327 19 74
sachsen(at)buero-spb.ru

Büroleiterin: Frau Swetlana A. Ordowskaja



Handelskammer Hamburg Vertretung in St. Petersburg
194044 St. Petersburg, Finlandskij Pr., 4 A
Telefon: (+7 812) 332 14 15
Fax: (+7 812) 332 14 16
service-ahk(at)spb.hk24.biz
www.hk24.biz

Frau Dr. Gabriele Kötschau



GIZ-Beratung Privatisierung/ Restrukturierung c/o UBT-Büro St. Petersburg
193124 St. Petersburg, Stavropolskaya 10
Telefon: (+7 812) 271 09 98
Fax: (+7 812) 271 09 14

Herr M. Grünewald



Baltic Sea Forum e.V.

199004 St. Petersburg, Wolchowsky Pereulok 4A
Telefon: (+7 812) 323 79 91
Fax: (+7 812) 323 04 70
service-ahk(at)spb.hk24.biz
www.hk24.biz



Gesellschaft zur Förderung des nationalen und internationalen Sachverständigenwesens - GFS
191144 St. Petersburg, BolschoijProspekt P.S. 98/45
Telefon: (+7 812) 643 25 62
Fax: (+7 812) 643 25 62
iso(at)eurokompzert.com
www.gfs-information.com

Präsidentin: Frau Swetlana Anatoljewna Alekseewa



Komitee f. Wirtschaftsentwicklung, Industriepolitik, Handel der Stadt St. Petersburg
190000 St. Petersburg, Voznesensky Fr. 16
Telefon: (+7 812) 315 51 52
Fax: (+7 812) 570 35 54
www.cedipt.spb.ru

Leiter: Herr Igor Iljuchin

 

Repräsentanzbüro der Stadt St. Petersburg
in der Bundesrepublik Deutschland

Glockengießerwall 26
20095 Hamburg
Tel.: (+49 40) 39 10 61 86
Fax.: (+49 40) 39 10 61 96
dmitri.utschitel(at)spb-hamburg.de
www.spb-hamburg.de

Leiter: Dmitrij Utschitel

Herzen State Pedagogical University of Russia (St. Petersburg)

www.herzen.spb.ru

„ProBa“ Education Center

www.studyrussian.spb.ru

St. Petersburg State Technical University

www.unilib.neva.ru

St. Petersburg State University of Telecommunications

www.sut.ru

St. Petersburg State University

www.spbu.ru

St. Petersburg State University of Aerospace Instrumentation

www.guap.ru/main_rect.shtml

St. Petersburg University of Economics and Finance

www.uef.ru

European University of St. Petersburg

www.eu.spb.ru

International Banking Institute, St. Petersburg

www.ibi.spb.ru

International University of Fundamental Studies IUFS

www.iufs.edu

North-West State Technical University

www.nwpi.ru

Smolny University

www.smolny-un.spb.ru

St. Petersburg State Electrotechnical University

www.eltech.ru

St. Petersburg State Marine Technical University

www.smtu.ru

St. Petersburg State Medical University

www.spmu.runnet.ru

St. Petersburg State Mining Institute

www.spmi.edu.ru/indesx.php

St. Petersburg State University of Technology and Design

www.sutd.ru

Standort St. Petersburg: Weiße Ware ohne Cluster

Mit der Ansiedlung internationaler Automobilkonzerne ist in St. Petersburg ein neuer Wirtschaftszweig entstanden. Moderne Technologien sollen das Image der Stadt prägen. Auch deutsche Kfz-Hersteller werden jetzt aktiv. Insgesamt haben 300 deutsche Firmen Niederlassungen im Norden Russlands – doch zeigen sie sich zurückhaltend bei Investitionen, nur wenige produzieren. In den beiden Sonderwirtschaftszonen vor den Toren der Stadt geht der Betrieb nur langsam los. Für den Standort im Norden sprechen dennoch überzeugende Argumente: im Vergleich zu Moskau sind die Preise moderat und die Anbindung ans Wasser ist unschlagbar.

 

Der Lokalisierungsgrad der Weißen Ware von BSH liegt hier bei 40 Prozent © OWCFriedrich Frieß freut sich über die neue Autobahn. Seit der Ring um St. Petersburg ausgebaut wurde, ist er über die Kolzewaja Awtomobilnaja Doroga, KAD, wie die Autobahn kurz genannt wird, jetzt schnell in der Stadt. Wenn nun noch der Hafen Bronka in zwei Jahren fertiggestellt sein wird, ist der Standort seiner Fabrik für Kühlschränke und Waschmaschinen ideal, so der Generaldirektor. Höchstens der Schienenanschluss fehlt dann noch. Immerhin gehen die Gleise bis zum Nachbargelände, zu einer Fabrik, in der Panzer repariert werden. Aber ob der dortige Direktor zustimmt, dass Kühlschränke und Waschmaschinen durch das Gelände seiner Panzerfabrik transportiert werden dürfen – daran wagt Frieß zu zweifeln.

Die OOO BSH Bytowije Pribory war eine der ersten großen deutschen Investitionen in St. Petersburg. Nachdem das deutsche Joint Venture zwischen Siemens und Bosch bereits 1994 eine Vertriebsfirma in Moskau eröffnet hatte, startete es 2005 mit dem Bau eines Werkes zur Herstellung von Weißer Ware im Norden des Landes. „Uns hat am Standort ganz klar die Nähe zum Hafen überzeugt und die gute Zusammenarbeit mit der Administration“, sagt Frieß. Allerdings hat es dann doch fünf Jahre gedauert, bis das Unternehmen endlich das Grundstück erwerben konnte.

Frieß ist noch heute mit dem Standort zufrieden. Auch wenn seine Fabrik – bis auf die Panzerreparaturfabrik – nach wie vor ganz allein die Fahne der Ausländer in Strelna, dem ehemaligen deutschen Dorf im Süden St. Petersburgs, hochhält. Er selbst ist vor einiger Zeit raus aus St. Petersburg in die Nähe des Betriebes gezogen. Eine Stunde Fahrzeit pro Strecke täglich – das war ihm dann doch zu viel.

Lokal produzieren, lokal verkaufen

2007 begann die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH hier mit der Produktion von Kühlschränken. 440.000 Geräte werden in diesem Jahr in Strelna produziert. Damit hat der Hausgerätehersteller einen Anteil von 16 bis 17 Prozent am russischen Kältemarkt. 98 Prozent der Produktion gehen an die Vertriebsfirma in Moskau. Seit Kurzem wird von hier aus auch der ukrainische, rumänische und ungarische Markt mit beliefert.

Frieß ist besonders stolz auf den hohen Lokalisierungsgrad. 40 Prozent der Zulieferungen stammen aus Russland. „Das ist hoch“, sagt Frieß. Die Bleche werden aus Deutschland geliefert, das Granulat kommt aus Südkorea – „da bringen die Russen nicht die Qualität“ –, die Kunststoffteile aus Deutschland, Italien und Spanien und die Verdichter aus Tschechien und China. Spritzgussteile werden direkt im Werk hergestellt – von der italienischen Firma Technoplast, die sich im BSH-Werk eingemietet hat. Interkos aus St. Petersburg liefert Kunststoff- und Blechteile, Knauf aus St. Petersburg die Styroporteile und andere Verpackungen. „Knauf zählen wir gar nicht als ausländisches Unternehmen, das ist gefühlt ein richtiger Russe“, erklärt Frieß.

2010 hat das Werk auch mit der Waschmaschinenproduktion begonnen – vorerst als SKD-Montage. Alle Teile werden vom BSH-Werk Nauen in Brandenburg per Container über die Fähre zugeliefert, die Hauptkomponenten dürfen zollfrei eingeführt werden. Ein neues Gebäude wurde gebaut – und ab Juli werden Waschmaschinen in einem eigenen Gebäude montiert. „Die Fabrik ist dann vergleichbar mit Europa“, erklärt der Generaldirektor. „Wir sind modern, und wir haben tolle Mitarbeiter.“

Der Krankheitsstand sei vergleichbar mit Deutschland – nur die Fluktuation sei höher. Acht bis 15 Mitarbeiter verlassen monatlich das Werk, obwohl die BSH gut zahlt. Umgerechnet 665 Euro erhält ein Monteur, 1.625 Euro ein Ingenieur. Die Personalsuche sei eine der größten Herausforderungen.

BSH ist in Strelna noch ziemlich allein auf weiter Flur © OWCSonderwirtschaftszonen laufen langsam an
Der Technopark, der in der Nachbarschaft entstehen sollte, entwickelt sich nicht so zügig wie angekündigt. Auf 110 Hektar sollten schon längst namhafte IT-Unternehmen gebaut haben, sollten Biotechnologie-Cluster arbeiten und das internationale Business Schlange stehen. Aber mehr als das Hauptgebäude und ein trauriger halbfertiger Rohbau sind nicht zu sehen. „Wir wollten früher starten“, erklärt Katarina Saschina, die PR-Chefin des Technoparks, „aber wegen der Finanzkrise und interner Probleme, nämlich der Änderung des Managementsystems der Special Economic Zones, hat sich der Prozess verzögert.“ Nach der Reform werden nun alle 25 Sonderwirtschaftszonen von Moskau aus gelenkt, in St. Petersburg gibt es nur noch einen Chef, Oleg Melnikow.

Wie Saschina erklärt, arbeiten heute schon zehn Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in der Sonderwirtschaftszone, vor allem der Pharmabereich soll Schwerpunkt werden. „Wir achten jetzt mehr auf Qualität, nicht auf Quantität.“ Nicht die günstigen Mieten von 350 Rubel plus Umsatzsteuer pro Quadratmeter, sondern die Vernetzung sollen Unternehmen nach Strelna locken. 500 Quadratmeter der insgesamt 15.000 Quadratmeter Bürofläche seien im Neubau noch zu haben.

Im Norden der Stadt gibt es eine zweite Sonderwirtschaftszone, Nowo Orlowskaja. Hier hat der Schweizer Pharmakonzern Novartis im vergangenen Jahr den Grundstein für den Bau einer Produktionsanlage für hochwertige Generika gelegt. 500 Millionen Euro sollen in die Produktion sowie in Forschung und Entwicklung investiert werden. Über die Grundsteinlegung scheint das Unternehmen bisher aber nicht hinausgekommen zu sein. Zum Fortgang des Baus wollte der Konzern auf Nachfrage keine Angaben machen.

Industriegiganten am Leben
Dabei will St. Petersburg gerade solche Investitionen in die Stadt holen, mit denen man das Image als Standort für Innovation, Technologie, Forschung und Entwicklung stärken kann. Traditionell ist in St. Petersburg die Metall- und die Nahrungsmittelindustrie zu Hause. Hier wurden und werden Schiffe gebaut, Traktoren, Turbinen, Eisenbahnen. Power Machines mit den Traditionsunternehmen Electrosila und Leningradsky Metallichesky Zavod gehört heute zu den weltweit größten Herstellern von Generatoren und Turbinen für die Kraftwerkindustrie.

Die alten Industriegiganten haben die Wende im Lande überlebt, doch nur wenige ausländische Investoren beteiligen sich an den Unternehmen. Siemens hatte bis zum vergangenen Jahr einen Anteil von 25 Prozent an der Maschinenbaufabrik Power Machines. Nun gab der deutsche Konzern seine Anteile ab und gründete ein Joint Venture mit Power Machines zum Bau von Gasturbinen. 275 Millionen Euro sollen in den neuen Standort investiert werden.

Produktionsstandorte internationaler Konzerne in und um St. Petersburg © BMBFErfolgsgeschichte Automotive
Über die Entwicklung der Automobilindustrie in und um St. Petersburg lässt sich viel Gutes berichten. 225.000 Autos laufen jährlich vom Band, jedes siebte Fahrzeug Russlands wird in St. Petersburg hergestellt. Toyota, GM, Nissan, Hyunday und Ford produzieren bereits, Fiat und MAN werden in Kürze starten.

Der amerikanische Autokonzern General Motors, der 2008 seine Produktionsstätte OOO GM Auto in St. Petersburg eröffnet hat, verkündete kürzlich nicht nur den Ausbau seiner Produktion sowie den Bau eines zweiten Werkes für 2014 – auch im Bereich Forschung und Entwicklung will GM in St. Petersburg einen Meilenstein setzen. Ende September vergangenen Jahres unterzeichneten General Motors und die Regierung von St. Petersburg ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit im Technologiebereich. Der Konzern will Universitäten in aktuelle Forschungsprogramme einbeziehen, junge Wissenschaftler weiterbilden und Praktika in Michigan zur Verfügung stellen.

Diese Kooperation sei ein erster Schritt zur Schaffung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in der Automobilindustrie – in St. Petersburg und in Russland überhaupt, sagte Vize-Gouverneur Michail Osejwskij. Es sei ein bedeutender Input für das Automotive-Cluster der Stadt.

Cluster werden in St. Petersburg gern bemüht. Auf der Homepage der Stadtregierung wird über die Schaffung immer neuer Cluster berichtet. Es gibt ein Cluster für Kernmedizin, ein Pharma-Cluster, Biotechnologie-Cluster, Medizin-Cluster, Schiffbau-Cluster, Elektronik-Cluster, IT-Cluster. Nur ein Cluster für Weiße Ware, das dem BSH-Werk in Strelna Gesellschaft bescheren könnte, gibt es nicht.

Tatsächlich bietet die Stadt gute Möglichkeiten für Partnerschaften im Bereich Forschung und Entwicklung. St. Petersburg hat über 50 staatliche und 40 nichtstaatliche Hochschulen mit etwa 350.000 Studenten. Deutsche Firmen nutzen das Potenzial: Die Deutsche Bahn unterhält ein Center for International Logistics and Supply Chain Management an der Management-Hochschule der Petersburger Staatsuniversität. Das Leibnitz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) initiierte im vergangenen Dezember den Tag des deutsch-russischen Technologietransfers in St. Peterburg, der Göttinger Technologiekonzern Sartorius, seit vielen Jahren mit dem Bereich Sartorius Weighing Technology in St. Petersburg vertreten, eröffnete im vergangenen Jahr in St. Petersburg die Tochtergesellschaft OOO „Sartorius ICR“, die moderne Technologien fördern soll.

Das Business Center Petrowskij Fort ist die neue Heimstatt der AHK Filiale Nordwest © OWCDeutsche: gut, aber nicht spitze
Deutsche Firmen sind in St. Petersburg in fast allen von der Stadtregierung gepushten Clustern aktiv. Bei den ausländischen Investitionen nahm Deutschland im vergangenen Jahr allerdings gerade Platz sieben ein. Die Liste der größten Investoren in der Region Nordwest wird inzwischen von den Chinesen angeführt.

Während GM, Ford und Toyota bereits seit mehreren Jahren in und um St. Petersburg produzieren, macht sich die deutsche Automobilindustrie erst jetzt auf den Weg in den russischen Norden. MAN will in St. Petersburg in diesem Jahr mit dem Bau schwerer Lkw starten, vor einem Jahr hatten Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen und die damalige Gouverneurin Valentina Matwijenko eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Mittelfristig sollen pro Jahr 6.000 Lastwagen vom Band rollen.

Entsprechend dünn gesät ist im Nordwesten auch die deutsche Kfz-Zulieferindustrie. Der internationale Zulieferer Johnson Controls aus Dortmund produziert in St. Petersburg, die Firma Behr, Stuttgart, ein Unternehmen der Mahle Group, gründete im Februar 2011 eine Gesellschaft, es sollen Fertigungskapazitäten für Pkw und Nutzfahrzeuge entstehen.

Einfallstor Hafen
Unter den deutschen Mitgliedsfirmen der AHK Russland, die in der Region Nordwest eine Repräsentanz oder Niederlassung unterhalten, finden sich neben den Handelsfirmen zahlreiche Logistikunternehmen. St. Petersburg ist für sie das Tor nach Russland – fast 20 Prozent der Waren, die Russland über Häfen erreichen, kommen über den Hafen St. Petersburg ins Land. Das Umschlagvolumen aller Häfen betrug 2011 etwa 535,4 Millionen Tonnen – in den Großhäfen St. Petersburgs wurden 60 Millionen Tonnen umgeschlagen, in Ust-Luga 22,7 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Im Hafen Hamburg betrug der Gesamtumschlag 2011 132 Millionen Tonnen, im Gesamthafen Lübeck 26,57 Millionen Tonnen.

Russland ist der bedeutendste Handelspartner des Hamburger Hafens im Europa-Containerverkehr. Weltweit nimmt Russland Platz drei auf der Liste der Top-Handelspartner des Hamburger Hafens ein. Im ersten Halbjahr 2011 entwickelte sich der Containerumschlag zwischen Hamburg und Russland mit 276.000 TEU überdurchschnittlich gut, das entspricht einem Zuwachs von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Stahl gehört zu den wichtigsten Umschlagprodukten der St. Petersburger Häfen © FinnlinesIm vergangenen Jahr habe der Verkehr mit Russland wieder gut angezogen, bestätigt auch Wilfried Anders, Leiter der Repräsentanz der Finnlines Deutschland GmbH in St. Petersburg. „Das Volumen aus dem Jahr vor der Krise, 2008, haben wir inzwischen wieder erreicht, allerdings nicht die Preise, da der Treibstoff heute sehr viel teurer ist als noch 2008“, erklärt Anders.

Die meiste Ladung bleibt in St. Petersburg und der nördlichen Region, etwa 20 Prozent der Fährfracht werden weiter nach Moskau transportiert. Nach Russland kommen vor allem hochwertiges Papier, hochwertiger Stahl und Massenware wie Kohlköpfe aus Nordfriesland und natürlich Projektladungen, Übermaße und Schwergewichte. Aus Russland werden minderwertiges Papier und Stahlhalbfertigprodukte geliefert.

Für den Luftverkehr nach St. Petersburg bleibt wenig Fracht. Gerade 30.000 Tonnen wurden im vergangenen Jahr über den Flughafen Pulkowo transportiert. „Der derzeitige Umschlag ist im Vergleich zur Bedeutung von St. Petersburg eher niedrig einzustufen“, sagt Volker Wendefeuer, Deputy Director General der Northern Capital Gateway LLC. Das in Zypern registrierte Unternehmen ist seit Mai 2010 Betreiber des St. Petersburger Flughafens. NCG hält keine Lizenz für die Frachtabfertigung und -abwicklung am Flughafen Pulkovo, gleichwohl sieht der Manager durchaus Möglichkeiten, das Frachtvolumen mittelfristig zu erhöhen.

„Der Flughafen wird sich vor allem im Passagierverkehr rasant entwickeln“, prognostiziert Wendefeuer. Im vergangenen Jahr startete Northern Capital Gateway mit der ersten Ausbauphase des Flughafens, die 2013 abgeschlossen sein soll. Dann verfügt der Flughafen Pulkowo über Terminalanlagen mit einer Kapazität für 14 Millionen Passagiere jährlich.
St. Petersburg habe großes Potenzial für den Ausbau des Tourismus, erklärt Wendefeuer. A und O aber sei das Visa-Problem. „Es müsste eine Lösung gefunden werden, dass auch Touristen, die mit dem Flieger nach St. Petersburg kommen, ähnlich wie die Kreuzfahrttouristen für zwei bis drei Tage visafrei in St. Petersburg bleiben können.“

Keine Saure-Gurken-Zeit für Anwälte
Visa-Angelegenheiten allerdings fallen nicht in die Kompetenz der Stadt, wie auch andere Fragen, die ausländischen Investoren das Leben schwer machen, nicht in St. Petersburg zu lösen sind. „Wenn wir ein Tochterunternehmen in St. Petersburg registrieren lassen, kämpfen wir nach wie vor mit der Behörde um den Handelsregistereintrag“, sagt Dagmar Lorenz, Rechtsanwältin mit Kanzlei in St. Petersburg und in Moskau. „Es gibt zwei Formulare, die gleichermaßen gültig sind, jedoch akzeptiert das Finanzamt nur eines von beiden, was rechtswidrig ist.“

An der Newa zieht das Neugeschäft jetzt merklich an © OWCDagmar Lorenz arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten in St. Petersburg. Mit solch bürokratischen Hemmnissen kann sie umgehen. Seit Anfang dieses Jahres spürt sie einen deutlichen Anstieg des Interesses an St. Petersburg. „Im Januar und Februar ist in Russland meist Saure-Gurken-Zeit. Aber in diesem Jahr hatten wir schon zu Jahresbeginn gut zu tun.“ Die vergangenen zwei bis drei Jahre, so hat Dagmar Lorenz beobachtet, haben deutsche Unternehmen kaum in St. Petersburg expandiert – es gab wenig Neugeschäft, aber jetzt ziehe die Nachfrage mächtig an.

Auch Andreas Bitzi, Leiter der Repräsentanz des Beratungsunternehmens Russia Consulting in St. Peterburg, ist mit dem ersten Quartal 2012 zufrieden. „Das Neugeschäft ist nicht die Masse, aber es läuft.“ Bitzi sieht St. Petersburg als Produktionsstandort ganz klar im Vorteil gegenüber Moskau, vor allem wegen der geringeren Gehälter und Mieten. „Bei Lagerflächen zahlt man hier die Hälfte des Moskauer Preises“, so Bitzi. Auch bei der Ausbildung von Fachkräften gebe es gute Fortschritte: „Die AHK Russland und die Association of European Businesses haben gute Initiativen auf den Weg gebracht.“

Natürlich müsse man in Moskau mit seinem Unternehmen präsent sein. Aber vor allem Firmen, die produzieren wollen, empfiehlt er, den Spieß umzudrehen: Den Ableger in Moskau, das Hauptgeschäft in St. Petersburg. Dann wäre die BSH-Fabrik in Strelna vielleicht nicht länger allein.

Von Jutta Falkner

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West Contact 04/2012.

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