Rohstoffreich und zentral – das Gebiet Nowgorod stellt sich vor

21.12.10 Aktuelles, Nowgorod

Das russische Gebiet Nowgorod ist auf der Suche nach Investoren, mit deren Hilfe Rohstoffe wie Holz und Torf gewonnen und verarbeitet werden sollen. In Berlin berichtete der Gouverneur, dass seine verkehrsgünstig zwischen Moskau und St. Petersburg gelegene Heimat aber noch mehr zu bieten hat.

Nowgorod geht den Holzweg – und das mit voller Absicht. Das 54.500 Quadratmeter große Gebiet zwischen Moskau und St. Petersburg gehört zu den Regionen Russlands, die reichlich mit Waldbeständen gesegnet sind. 65 Prozent der Fläche Nowgorods seien von Bäumen bewachsen, erklärt Gouverneur Sergej Mitin, der Anfang Dezember nach Berlin gekommen war, um Werbung für seine Region zu machen. 

Die holzverarbeitende Industrie ist nach der Nahrungsmittel- und der Chemieproduktion der drittgrößte Industriezweig des Gebiets – und mit einem Plus von 33,6 Prozent von Januar bis September das am stärksten wachsende Industriesegment. Jedes Jahr dürfen 8,2 Millionen Kubikmeter Holz abgebaut werden. Tatsächlich würden nur 30 Prozent der erlaubten Menge gefällt, das Potenzial der Region in punkto Birke, Espe, Kiefer sei groß, so der Gouverneur. 

Erkannt haben das bereits mehrere finnische Firmen, darunter die Forstunternehmen Stora Enso und UPM Kymmene aus Helsinki. UPM betreibt gleich zwei Tochtergesellschaften – eine Sägeholz- und eine Furnierproduktion. Auch die Deutschen sind aktiv. Im Jahr 2006 eröffnete die Pfleiderer AG ein neues Spanplattenwerk in Nowgorod. Die Oberpfälzer produzieren für die russische Möbelindustrie. Die geografische Nähe zu den Ballungszentren St. Petersburg und Moskau kommt ihnen gelegen. Beschlossen ist nun eine neue Fertigungsstätte zur Fertigung von mitteldichten und hochdichten Faserplatten (MDF bzw. HDF), die eine Jahreskapazität von bis zu 500.000 Kubikmeter erzielen soll.

Zu bieten hat die Region noch andere Rohstoffe. Vizegouverneur Alexander Gabitow beziffert die Vorräte auf 180 Millionen Tonnen Ton, 94 Millionen Tonnen Karbon, 180 Millionen Tonnen Sand und Kies, 38 Millionen Tonnen Quarzsand und vor allem 2,5 Milliarden Tonnen Torf. Auch hier sei das Potenzial der Förderung längst nicht ausgeschöpft. Gabitow wünscht sich, dass Investoren die Rohstoffe nicht nur abbauen, sondern auch in der Region verarbeiten. 

Unternehmen, die nach Nowgorod kommen, hat die Gebietsverwaltung Steuervergünstigungen – wie die Befreiung von der Vermögenssteuer oder die Halbierung des Transportsteuersatzes – und besondere Konditionen bei Miete und Pacht anzubieten. Außerdem können Subventionierungen für bei einheimischen Banken aufgenommene Investitionskredite beantragt werden. Der Gouverneur und sein Stellvertreter betonen, dass die Bedingungen für eine Unternehmenstätigkeit im Gebiet insgesamt sehr günstig seien. So dauere es beispielsweise nur drei Monate, ein Grundstück zu pachten. Alle Investitionsprojekte würden mit großer Transparenz begleitet, dafür extra ein Koordinierungsrat beim Gouverneur eingerichtet. Zur Unterstützung kleinerer und mittelständischer Unternehmen wurde bereits 2008 ein besonderes Programm aufgelegt. In punkto Personal, erklärt Gabitow, sei man ebenfalls gut aufgestellt. Das Ausbildungsniveau im Gebiet sei hoch – jedes Jahr verlassen über 3.000 Absolventen die Staatliche Nowgoroder Universität – und die Löhne niedriger als im benachbarten Gebiet Leningrad. 

Besonders am Herzen liegen der Administration derzeit vier besondere Investitionsstandorte: Torfjanoe, Trubichino, Pletnicha und Malaja Wischera. Der erste liegt an der Grenze zum Leningrader Gebiet. Hier entstehen ein Zementwerk, eine Erdölraffinerie und eine Dämmplattenproduktion. Für ein multifunktionales Logistikzentrum, in dem jährlich bis zu fünf Millionen Tonnen Güter umgeschlagen werden sollen, ist man noch auf der Suche nach einem Investor. Bei Trubichino in der Nähe der Gebietshauptstadt Welikij Nowgorod wird ein Cluster für Autoteilezulieferer aufgebaut. 

Weitere für Investoren attraktive Wirtschaftszweige seien Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, Wohnungsbau und Baustoffindustrie sowie die Arzneimittelproduktion, berichtet Gabitow. Außerdem hat sich das Gebiet den Ausbau der Tourismusbranche auf die Agenda geschrieben.   

Von Anne Wäschle, OWC-Redaktion

Aus Russland Aktuell 51/52/ 21. Dezember 2010