Investitionsprojekte

26.07.06 Aktuelles, Murmansk

Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Gebiets Murmansk in den nächsten Jahren wird der Beginn der Ausbeutung des riesigen offshore-Gasfeldes Stockmann in der Barentssee sein. Die Vorkommen werden von der Projektgesellschaft Giprospezgas auf 3.660 Milliarden cbm Erdgas und 30 Millionen Tonnen Gaskondensat geschätzt. Die Förderung, die ab 2011 beginnen wird, soll sich auf 71 Milliarden bis 95 Milliarden cbm pro Jahr belaufen.


Notwendig werden Investitionen von mindestens 12 Milliarden US-Dollar sein. Davon sollen 4,4 Milliarden US-Dollar auf das Gebiet Murmansk entfallen. Gedacht ist an den Bau einer Pipeline zwischen der Lagerstätte und der Halbinsel Kola (Teil des Gebiets Murmansk) sowie die Errichtung eines Flüssiggas-Werkes und eines Terminals für LNG-Tanker entweder in Widjajewo oder Teriberka.


Ein anderes Großprojekt, auf das die Oblast-Verwaltung einige Hoffnungen setzt, ist der Bau einer Aluminiumhütte (KAZ-2) mit einer Kapazität von 225.000 Tonnen pro Jahr durch den zweitgrößten russischen Konzern SUAL. Am geplanten Standort in Kandalakscha, etwa 250 km von Murmansk entfernt, betreibt SUAL eine Hütte, die 2005 rund 72.000 Tonnen Primäraluminium produzierte.
Sollte KAZ-2 realisiert werden, dann wird das die Auslastung der Bauxitgruben im Gebiet Leningrad und in der benachbarten Republik Komi verbessern. Das Vorhaben wird jedoch derzeit noch, aus für die Oblast-Verwaltung kaum nachvollziehbaren Gründen, von einigen Ministerien in Moskau gebremst. Die Durchführung eines ähnlichen Vorhabens für den Bau einer Aluhütte im Gebiet Murmansk prüft das norwegische Unternehmen Norsk Hydro.


Größere Investitionen werden in nächster Zeit auch im Transportsektor des Gebiets erwartet. Im Auftrag der russischen Regierung hat die Gesellschaft LenmorNIIprojekt einen Generalplan für den Murmansker Transportknoten ausgearbeitet. 
Danach soll die Güterumschlagkapazität von heute etwa 27 Millionen Tonnen bis 2010 auf 45 Millionen Tonnen und bis 2015 auf 56 Millionen Tonnen steigen. Auf der Westseite der Kola-Bucht sollen u.a. Kohleterminals mit einer Kapazität von 15 Millionen Tonnen/Jahr, ein Umschlagterminal für Container und andere Güter mit 3 Millionen Tonnen/Jahr und ein Terminal für Supertanker für Erdöl und Ölprodukte mit 31,5 Millionen Tonnen/Jahr entstehen.
Ein nicht unbedeutender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen in der Region ist das international finanzierte Programm zur sicheren Entsorgung von atomgetriebenen U-Booten der russischen Nordmeerflotte. Die Zerlegung der Boote findet in der Nerpa-Werft bei Murmansk statt. 
Das Programm wird u.a. von der Bundesregierung mit rd. 300 Millionen Euro (2003 bis 2008) kofinanziert und mit Beteiligung deutscher Unternehmen durchgeführt. Nach Angaben von Jurij Jewdokimow, Gouverneur des Gebiets, befinden sich 101 der 195 ausgemusterten U-Boote in Murmansk. Geplant ist, etwa 8 Fahrzeuge pro Jahr zu entsorgen.

Waldemar Lichter, bfai

Aus Russland aktuell 30/2006