Leningrader Gebiet fördert Engagement deutscher Firmen

10.09.12 Aktuelles, Leningrader Gebiet
Straßenbau, Wohraumsanierung und Wasseraufbereitung sind die drei großen Bereiche für deutsches Engagement © lenobl.ru

Straßenbau, Wohraumsanierung und Wasseraufbereitung sind die drei großen Bereiche für deutsches Engagement © lenobl.ru

St. Petersburg und das umliegende Leningrader Gebiet planen Großprojekte in drei Bereichen, sagte der Vizegouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Kuznezow, gegenüber der deutschen Wirtschaftsförderagentur Germany Trade & Invest. Dazu gehört die Sanierung von Straßen und Wohnraum einschließlich der Installation von Strom-, Gas- und Wärmezählern sowie der Bau einer Versorgungsleitung für Trinkwasser zwischen dem Ladogasee und der Megametropole.

„Der Bau eines Kilometers Straße kostet im Leningrader Gebiet genau so viel wie in Europa. Doch halten unsere Baufirmen keine europäischen Normen und Standards ein. Aus diesem Grund rufen wir für 2013 ausdrücklich deutsche Unternehmen auf, sich an den entsprechenden Ausschreibungen zu beteiligen. Wir wollen damit den Zustand unseres Straßennetzes nachhaltig verbessern“, kommentierte Kuznezow das Projekt zur Straßensanierung.

„Bei der Wohnraumsanierung leiten wir eine Reform ein, die künftig eine Mischfinanzierung aus Eigenmitteln und Fremdkapital zulässt, womit wir privaten Investoren ein neues Betätigungsfeld eröffnen.“ Dazu gehört die Installation moderner Zähler für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme, die Abwasserklärung, die umweltschonende Müllentsorgung sowie eine Optimierung der Fernwärmeerzeugung und -übertragung.

Die Kosten für den Bau einer Trinkwasserleitung vom Ladogasee nach St. Petersburg und für die Errichtung von Frischwasseraufbereitungs- sowie Kläranlagen werden von Kuznezow mit einer Milliarde Euro beziffert. „Für dieses Projekt suchen wir Großinvestoren, die bereit sind, sich auf PPP-Basis zu beteiligen. Für die Finanzierung laden wir Banken ein.“ Nach den Worten des Vizegouverneurs sollen 70 Prozent der Kosten in den ersten drei Jahren über die Erhebung von Anschlussgebühren für neu zu bauende Siedlungen zurückfließen. Die restlichen 30 Prozent sollen sich im Laufe weiterer sieben Jahre durch die Wassergebühren amortisieren.

Wirtschaft breit aufgestellt
Einer der wirtschaftlichen Schwerpunkte des Leningrader Gebiets ist der Transport von Energieträgern und Waren per Pipeline, Schiene und Schiff. Gazprom erwägt, die eben erst fertiggestellte Erdgasleitung Nordstream durch die Ostsee auszubauen. Daneben wird an der Fährverbindung für Eisenbahnwaggons zwischen Saßnitz, Baltijsk (Kaliningrader Gebiet) und Ust-Luga (Leningrader Gebiet) gearbeitet.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Automobilindustrie. Im Leningrader Gebiet haben sich Ford (Pkw) und Caterpillar (Traktoren) niedergelassen. Um sie herum haben sich eine Reihe von Zulieferern aus Finnland, Korea, den USA und Japan geschart. Um weiteren Zulieferern bei der Ansiedlung zu helfen, wurden und werden Industrieparks eingerichtet. „Dies wollen wir ausbauen“, so Kuznezow.

„Wir wollen insbesondere deutsche Unternehmensansiedlungen fördern, da wir wissen, dass die Qualität der deutschen Produkte stimmt. Hersteller wie Henkel und Hansa-Flex sind bereits vor Ort und Ende Juni 2012 hat zudem die Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte eine Fabrik für Waschmaschinen eröffnet“, so Kuznezow. „Investoren erhalten bei uns eine Reihe von Hilfen, wozu während der Amortisationsphase Vergünstigungen bei der Körperschaftsteuer, bei der Immobilien- und Grundsteuer gehören. Gleichzeitig unterstützen wir bei der Erlangung von Anschlüssen für Elektroenergie, Gas und Wasser.“

Eigene Weg in der Personalfrage
Bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften geht das Leningrader Gebiet einen eigenen Weg, der damit zusammenhängt, dass es nur eine verschwindend geringe Arbeitslosigkeit gibt – der Arbeitsmarkt in St. Petersburg zieht 240.000 Arbeitskräfte aus dem Leningrader Gebiet ab, die täglich bis zu drei Stunden in einer Richtung pendeln. Um dieses Potenzial in das Leningrader Gebiet zurück zu holen, werden Unternehmensansiedlungen gefördert, damit qualitativ hochwertige Arbeitsplätze entstehen und die Menschen zum Bleiben beziehungsweise zur Rückkehr animiert werden.

In allen Berufsbildungsstätten werden nur noch Fachrichtungen ausgebildet, die vor Ort benötigt werden. Dazu zählen Industriefacharbeiter, Fachkräfte für die Landwirtschaft und für die Hafenwirtschaft. „Modeberufe wie Finanzspezialisten und Verkäufer, für die bei uns kein zusätzlicher Bedarf besteht, bilden wir nicht mehr aus“, so Kusnezow.

Unternehmen aus Deutschland, die sich für die Einrichtung einer Niederlassung zum Vertrieb oder zur Produktion interessieren beziehungsweise die sich auf Geschäftspartnersuche in das Leningrader Gebiet und nach St. Petersburg begeben, können sich vor Ort gleich an mehrere Einrichtungen und Institutionen wenden. Dazu gehören die Filiale Nordwest der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, das Deutsche Generalkonsulat, die Regierung des Leningrader Gebiets sowie die Industrie- und Handelskammer des Leningrader Gebiets.

Von Ullrich Umann, gtai, Moskau