Republik Sacha treibt Mega-Projekte voran: Investitionen in Energiewirtschaft, Transportinfrastruktur, Wohnungsbau und Rohstoffexploration

06.12.11 Aktuelles, Sacha (Jakutien)

Die Republik Sacha (Jakutien) ist reich an Bodenschätzen, doch von diesem natürlichen Vermögen ist fernab der Hauptstadt Jakutsk nichts zu sehen. Die Regierung der Republik, der russische Staat und staatliche Konzerne treiben eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen im Verkehrs- und Energiesektor voran. Privatunternehmen wollen vor allem in den Ausbau der Lagerstätten investieren. Ungeachtet der Wirtschaftskrise sollen auf diese Weise bis 2020 rund 55 Milliarden Euro in die Entwicklung der Republik fließen.

Die Republik Sacha-Jakutien ist achtmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, doch leben dort weniger als eine Million Menschen. Auf dem Gebiet in Sibirien befinden sich vier Fünftel aller Diamanten- und zwei Drittel aller Goldvorkommen Russlands. Die Größe des Landes ist jedoch eher Fluch denn Segen: 25 von 33 Bezirken sind nicht oder nur unzureichend angeschlossen an Jakutsk, die Hauptstadt der Republik. Die riesigen Entfernungen lassen die Kosten für Infrastrukturprojekte explodieren. Nur acht Prozent des riesigen Territoriums sind das ganze Jahr über zugänglich, über 80 Prozent aller Waren und Dienstleistungen werden aus dem Westen Russlands angeliefert.

Neben der Erschließung von Gold-, Erz-, Erdöl- und Edelmetalllagerstätten bieten die Pläne der Gebietsadministration zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur gigantische Geschäftschancen. Einer der größten Investoren in der Republik Sacha ist die russische Staatsbahn (RZD). Der Konzern wird unter anderem für 75 Milliarden Rubel (ca. 1,67 Milliarden Euro) eine 377 Kilometer lange Strecke zwischen Kerkakit, Tommot und Jakutsk bauen. Zusätzlich sollen bis 2020 weitere 1.700 Kilometer Schienenstrecken verlegt werden. Ein prioritäres Projekt ist zum Beispiel die Verbindung zwischen Jakutsk, Moma und Magadan. Das 735 Kilometer lange Stück der ersten Bau-etappe soll 144 Milliarden Rubel (3,2 Milliarden Euro) kosten.

Bis heute wohnt der Großteil der jakutischen Bevölkerung in ländlichen Gegenden, die weder über befestigte Straßen, noch über die Schiene mit der Außenwelt verbunden sind. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. „Wir wollen, dass jeder zweite Bewohner Jakutiens bis 2020 von zu Hause aus über befestigte Straßen in die Gebietshauptstadt fahren kann“, sagte der Vizeregierungschef Jakutiens, Gennadi Aleksejew, Ende März 2009 auf einer Konferenz in Moskau.


Mannigfaltige Infrastrukturprojekte

Um die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, sollen in den nächsten zehn Jahren knapp 2.000 Kilometer Bundes- und Regionalstraßen gebaut werden. Laut Aleksejew kommen dafür 160,6 Milliarden Rubel (3,2 Milliarden Euro) aus dem föderalen und regionalen Haushalt. Zu den Projekten gehören die föderalen Magistralen „Kolyma“ (Jakutsk-Magadan), „Lena“ (Newer-Jakutsk) sowie „Wiljui“ (Tulun-Bratsk-Ust-Kut-Mirnyi-Jakutsk) und die Regionalstraßen „Amga“, „Kobjai“, „Umnas“ und „Jana“. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es in der gesamten Republik Sacha gerade einmal 623 Kilometer befestigte Straßen, das ist lediglich ein Sechstel des russlandweiten Durchschnitts.


Höhere Energiepreise als im Landesdurchschnitt

Trotz des Überflusses an Erdöl und Erdgas ist Strom in der Republik Sacha 1,6-mal teurer als im russlandweiten Durchschnitt. So kostete eine Kilowattstunde 2008 auf das gesamte Föderationsgebiet herunter gerechnet 177 Kopeken. In Jakutien waren es 281 Kopeken. Neue Kapazitäten könnten die Angebotsknappheit mildern und den Preis drücken. Dabei setzt die Republikverwaltung vor allem auf Wasserkraft. Über 90 Milliarden Rubel sollen etwa in das Kankunsker Wasserkraftwerk investiert werden. Die Projektoren versprechen sich daraus zusätzliche Kapazitäten von 1.600 Megawatt. Dazu soll außerdem für zehn Milliarden Rubel ein Staubecken angelegt werden. Insgesamt sollen bis 2020 für 352 Milliarden Rubel fünf Wasserkraftwerke gebaut bzw. modernisiert werden. Um die zusätzliche Leistung von 8,5 Gigawattstunden an kommerzielle und private Abnehmer weitergeben zu können, will die Regierung allein im Süden Jakutiens für 27,9 Milliarden Rubel über 1.200 Kilometer Stromleitungen verlegen. Darüber sind eine ganze Reihe weiterer Kraftwerke geplant sowie der dazugehörige Bau von 4.627 Kilometer Hochspannungsleitungen. Dazu sind Investitionen von 47,5 Milliarden Rubel nötig.

Für 16,6 Milliarden Rubel sollen im Aldansker Petrochemiewerk Kapazitäten zur Produktion von 564.000 Tonnen Treibstoff pro Jahr entstehen, der Jakutsker Gasverarbeitungs- und Gaschemiekomplex will für 35,1 Milliarden Rubel Anlagen und Maschinen zur Verarbeitung von 20 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr kaufen. Damit sollen 330.000 Tonnen Polypropylen und 767.300 Tonnen Polyethylen pro Jahr erzeugt werden. Im Inaglinsker Kohlewerk werden 4,9 Milliarden Rubel in die Erweiterung der Kapazitäten um zwei Millionen Tonnen Kohlekonzentrat pro Jahr investiert, und auch das Bergwerk Tajeschnyi will mit einer Zehn-Milliarden-Rubel-Finanzspritze den Ausstoß von Eisenerz-Konzentrat um 4,1 Millionen Tonnen erhöhen. Die Finanzierung dieser Projekte könnte mit Mitteln des Investitionsfonds der Russischen Föderation gesichert werden, hoffen die Verantwortlichen der Republik Sacha.

Bernd Hones,
Germany Trade and Invest, Moskau
Quelle: Russland Aktuell 21/2009